HSK von 1830 e.V.
Aktuelle Berichte

03.05.2017
Dr. Hanns Schulz-Mirbach

HSK 13 (Die legendäre Elfte) – Union Eimsbüttel 4 am 28.04.2017. Magische Momente

In der Bezirksliga C der Hamburger Mannschaftsmeisterschaft (HMM) 2017 stand am 28.04.2017 in Runde 7 die Begegnung HSK 13 (Die legendäre Elfte) gegen Union Eimsbüttel 4 auf dem Programm.
Die Ausgangslage war denkbar schlecht für die legendäre Elfte (HSK 13). Nach einem verkorksten Saisonverlauf stand die Mannschaft nach Runde 6 kurz vor den Abstiegsrängen. Ein weiterer Verlust würde akute Abstiegsgefahr bedeuten. Dann kamen drei Absagen aus der Stammmannschaft für die Runde 7 gegen den Tabellenführer Union Eimsbüttel 4. Mannschaftsführer Kurt Kahrsch schaffte es aber über die Reserveliste mit Rolf Puster und Johannes Petersen sowie dem verbleibenden Rumpfteam von HSK 13 ein vollständiges und schlagkräftiges Team an den Start zu bringen.

Der Kampf wurde pünktlich um 19:00 Uhr eröffnet. Um 20:00 Uhr konnte Rolf Puster die Uhr an Brett 8 abstellen und den kampflosen Punkt notieren lassen, da sein Gegner nicht erschienen war. Als nächstes vereinbarte Kurt Kahrsch an Brett 6 ein Remis.
Anschließend ging es jedoch rasant bergab mit der legendären Elften. Die nächsten drei Partien gingen nach zum Teil haarsträubenden Fehlern verloren, so daß beim Spielstand von 1,5 (HSK 13) – 3,5 (Union Eimsbüttel 4) gegen 22:00 Uhr alles auf die nächste Niederlage hindeutete.

Dann gab es jedoch eine Reihe von magischen Momenten im HSK Schachzentrum.
Oliver Leube: mit brillanter Taktik zum Sieg
Oliver Leube: mit brillanter Taktik zum Sieg

Oliver Leube hatte sich in seiner Weißpartie aktives Figurenspiel mit offenen Linien erarbeitet. Beim oberflächlichen Hinsehen waren aber keine unmittelbaren Drohungen erkennbar. Umso größer war das Erstaunen, als er ein Turmopfer auf h7 brachte. Ich konnte da nur den Gewinn von einigen Bauern und Dauerschach sehen. Aber Oliver hatte weiter gerechnet und stellte mit einem brillanten Zwischenzug seines Läufers seinen Gegner vor die Wahl Damenverlust oder Matt. Der entschied sich dann für die sofortige Aufgabe.
In meiner eigenen Weißpartie hatte ich mir nach einer von beiden Seiten anspruchslos gespielten Eröffnung eine Stellung mit leichtem aber dauerhaftem Druck erarbeitet. Mein Gegner entschloss sich dann mit einem Bauernzug auf e5 die Initiative zu ergreifen. Dies führte zu unmittelbaren Komplikationen, in denen sich Schwarz entschloss eine Figur für Bauern und einen gedeckten Freibauern auf d3 zu geben. Im Gegensatz zu früheren Runden, in denen ich solche vorteilhaften Stellungen zum Teil einzügig eingestellt habe, konnte ich hier kühlen Kopf bewahren.
Hanns Schulz-Mirbach: mit Basteck’schen Strategemata zum Sieg
Hanns Schulz-Mirbach: mit Basteck’schen
Strategemata zum Sieg

Aus dem gemeinsamen Training mit Reiner Basteck erinnerte ich mich an die beiden Basteck’schen Strategemata „Die hohe Kunst des Nichtstuns“ (Manövrieren in besseren Stellungen und überhastete Aktionen vermeiden) und „Den Gegner zur Mitarbeit bewegen“ (durch Zugzwang eine schrittweise Verschlechterung der gegnerischen Stellung erzwingen). So gelang es den schwarzen Freibauern unter Kontrolle zu halten und die weißen Figuren besser zu koordinieren. Danach konnte ein Gegenangriff gestartet werden, der Bauerngewinn und Damentausch gebracht hätte. Das wollte sich Schwarz nicht mehr zeigen lassen. Beim Stand von 3,5 – 3,5 waren damit alle Ergebnisse für den Mannschaftskampf möglich.

Johannes Petersen hatte an Brett 7 mit Birte Zehner eine Gegnerin, die fast 500 DWZ Punkte leichter war. Sie ließ sich aber von dem großen Unterschied in der Papierform nicht einschüchtern und spielte recht druckvoll auf mit Weiß. Johannes hatte zwar leichten Vorteil, befolgte aber das Basteck’sche Strategema „Die hohe Kunst des Nichtstuns“ so vorbildlich, daß die Partie kurz vor Mitternacht in die finale Zeitnotphase gelangte.
Johannes Petersen: Matchwinner kurz vor Mitternacht
Johannes Petersen: Matchwinner kurz vor Mitternacht

Hier konnte Johannes einige Bauern einsammeln und mit seinem Turm entscheidend auf die weiße Grundreihe vordringen. Die Partie wurde entschieden durch Ablauf der Bedenkzeit von Weiß; die Stellung war aber auch objektiv verloren.
Damit ging ein denkwürdiger Mannschaftskampf mit einem für die legendäre Elfte dringend benötigten Sieg zu Ende. Die magischen Momente an diesem Abend haben alles geboten, was das Turnierschach so interessant macht. In der Ergebnistabelle der Runde 7 der HMM 2017, Bezirksliga C steht die legendäre Elfte (HSK 13) jetzt im (ungesicherten) Mittelfeld. Noch ist das Abstiegsgespenst nicht ganz gebannt, aber die Mannschaft hat es selber in der Hand in den verbleibenden zwei Runden in der Tabelle noch weiter nach oben zu klettern. Auf jeden Fall wird der Kampf vom 28.04.2017 in den Legendenfundus der Mannschaft aufgenommen.


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