Aktuelle Berichte
08.12.2016
Andreas Will
Trauerrede für
für die Trauerfeier am 06.12.2016 von Diakon Andreas Will
Reiner Basteck (1951 - 2016)
für die Trauerfeier am 06.12.2016 von Diakon Andreas Will
Begrüßung:
Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen Reiner blieb keine Zeit, um sich auf den Tod vorzubereiten. Mit 64 Jahren hat eine kurze Krankheit sein Leben beendet, mitten im Leben. Auch uns allen blieb keine Zeit, um uns auf diesen Tod vorzubereiten. Er hat alle überraschend getroffen. Ja, der mittelalterliche Satz ist wahr: Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Heute sind wir zusammen gekommen, um uns von Reiner zu verabschieden und auf sein Leben zurück zu schauen.
Lesung/Ansprache:
1. Alles hat seine Zeit. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Stunde,
2. eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
3. ... eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
4. eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz,
5. ... eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6. eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
7. ... eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
8. eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, ...
9. Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
(Aus dem Buch Kohelet 3, 1 - 9)
Liebe Trauergäste, Schachfreunde und Freunde alles hat seine Zeit – das ist leicht gesagt. Doch wenn die Zeit gekommen ist zu sterben, dann bringt das diejenigen, die dieser Person nahe stehen, aus dem Gleichgewicht. In uns mischen sich Erschrecken, Erinnerungen, Ängste und Fassungslosigkeit. Plötzlich fällt einem so vieles wieder ein: Da erinnert sich ein Freund an die vielen Schachpartien, da fällt den Kollegen auf, wie angenehm es war, mit Reiner zu arbeiten, mancher mag auch an die Abende mit ihm im Nagels denken. Es sind Erinnerungen, die ein Lächeln auslösen, eigentlich Freude machen – wenn nur der Kummer nicht so haarscharf danebenstünde. Aber Freude und Leid gehören zusammen wie Leben und Sterben. Wir müssen beide Pole erleben, um ganz Mensch zu sein. Doch alles zu seiner Zeit.
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, beginnt der weise Kohelet seine Verse über die Zeit. Reiner hatte 64 Jahre Zeit auf dieser Erde, um mit uns und anderen zu lachen und zu weinen, zu pflanzen und zu ernten, zu arbeiten und zu ruhen, kurz: zu leben.
Reiner wurde am 22.12.1951 in Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern) geboren. Früh ist er zusammen mit seinen Eltern nach Hamburg Rotenburgsort gezogen, wo sie 1962 von der Hamburger Flut betroffen waren und nach Billstedt umziehen mussten. Später zog er dann in der Lorichsstr. (HH-Barmbek) und zuletzt hat er in Iserbrook gewohnt.
Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst und heiratete, doch die Ehe war nur ein kurzes Intermezzo und hielt, aus welchen Gründen auch immer, nicht lang. Nach dem Zivildienst begann Reiner ein Kunststudium, widmete allerdings seiner anderen Liebe, der 12-Ton-Musik in Verbindung mit der Mathematik, viel Zeit. Daran kann sich wohl ziemlich jeder erinnern, hatte er doch immer ein paar Zettel mit kryptischen Zahlenreihen bei sich, die niemand so richtig durchschaute. Schon während des Studiums heuerte Reiner bei der Post an, woraus dann, nach Aufgabe seines Studentenlebens, ein normaler Job wurde.
Über die Post lernte Reiner Rudolf Fritsch kennen, mit dem er bis zu dessen auch zu frühen Tode (2012) eine enge Freundschaft hielt. Durch Rudolf wurde er mit seiner anderen Leidenschaft bekannt: dem Schach. Ohne Reiner hätte es die BSG Transit in dieser Form nicht gegeben, aber auch im HSK war er über fast drei Jahrzehnte, nach einem kleinen Abstecher beim SK-Barmbek; der so genannten „legendären“ Elften bis zuletzt treu.
„Ein jegliches hat seine Zeit“. Reiner hat seine Zeit hier gelebt. Er hat sie für sich so gestaltet, wie es ihm entsprochen hat. Doch niemand lebt für sich allein – wir alle haben mit ihm Zeit geteilt, haben Momente oder Phasen seines Lebens mitgeprägt. Und alle unsere Zeit gehört noch einmal in einen größeren Zusammenhang, aus dem sich niemand ausklinken kann – in den ewigen Raum, der Ewigkeit, dem Nirwana, oder was auch immer unsere Überzeugung sein mag, hinein. „Ein jegliches hat seine Zeit“ – für mich ist Reiner jetzt in Gottes Zeit angekommen. Während unserer Lebenszeit hier haben wir die Verantwortung füreinander, jenseits des Lebens übernimmt, das ist meine Überzeugung, Gott alle Verantwortung und alle Liebe. Ich vertraue darauf, dass Gott Reiner in die Fülle seiner Liebe führen wird. Jedoch glaube ich auch, dass es unsere Aufgabe ist, die gemeinsame Zeit mit ihm dankbar zu erinnern und weiterzugeben, was wir von ihm an Wertvollem erlebt und geschenkt bekommen haben. Wo wir so unsere Zeit füllen, ist uns Reiner immer nahe.
Deshalb stehen dort vorne die Kerzen, jeden von euch, der möchte, bitte ich uns an seinen Erinnerungen teilhaben zulassen, in dem er nach vorne kommt, eine Kerze anzündet und uns in ein zwei Sätzen MIT-TEILT, was er an Reiner geschätzt hat.
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