Aktuelle Berichte

06.04.2012
Dr. Helge Hedden

Im Wechselbad der Gefühle

Mannschaftsführer Kurt Kahrsch nahm seinem Gegner den Punkt weg
Mannschaftsführer Kurt Kahrsch nahm seinem Gegner den Punkt weg

Am Gründonnerstag trat HSK 11 bei SW Harburg an und musste die Absagen von Leon Tscherepanov und Topscorer Claus Langmann verkraften. Da auch SW Harburg ohne die nominellen Spitzenbretter antrat, war ein spannender Abend zu erwarten. Dieser war dann zweigeteilt, wie Helge Hedden und der später angereiste Leon Tscherepanov als angereiste Fans beobachten durften.
Die Elfte ging relativ schnell mit 2 ½ : 1 ½ in Führung, nachdem Rainer Basteck gegen die Holländische Verteidigung Remis machte, Kurt Kahrsch mit aktiven Gegenspiel seinem Gegner erst die Stellung und dann den Punkt wegnahm und Oliver ohne großes Aufsehen sowie mit Unterstützung seines Gegners einen Königsangriff durchschlagen ließ.
Oliver startet seinen Königsangriff
Oliver startet seinen Königsangriff

Christoph Bohn hatte einen schlechten Tag erwischt und ließ als Schwarzer einen Bauerndurchbruch auf e6 zu, der seinen König an die frische Luft setzte. Leider hatte sein Gegner einen guten Tag erwischt und verdichtete seinen Vorteil zum Sieg – eine der selteneren Partien in der Bezirksliga, die von Anfang an konsequent und ohne wechselseitige Vorteile durchgezogen wurde. Apropos frische Luft: Die Luft im Spielraum war deutlich schlechter als bei Heimspielen im ausverkauften Haus…
Danach veränderte sich das Ergebnis vorerst nicht mehr. Rolf Puster am ersten Brett hatte eine vorteilhafte Stellung, in der er einem positionellen Fortgang den Vorzug gegenüber einem energischen Bauernangriff gab. Tofik Badalov spielte erneut ohne Rochade, aber mit tiefsinnigen Ideen. Aber diese Ideen ließen ihn auf die Zeitnot zusteuern. Hanns Schulz-Mirbach verfügte anfangs über eine aussichtsreiche Stellung, die sich aber mit der Zeit ins Gegenteil verwandelte. Erst verfügte sein Gegner über das Läuferpaar und dann über einen gedeckten Freibauern auf e4. Udo Figger hatte eine interessante Stellung auf dem Brett, die ein Spiel auf drei Ergebnisse zuließ. Vorläufiger Höhepunkt in einer Partie mit beiderseitigen Chancen war ein Damenopfer von Udo, für das er mehr als ausreichende Kompensation erhielt, zumal seinem Läuferpaar bei offenem Brett exzellente Aussichten offeriert wurden. Zu diesem Zeitpunkt war ein Mannschaftssieg möglich.
Udo Figger hatte eine interessante Stellung auf dem Brett
Udo Figger hatte eine interessante
Stellung auf dem Brett

Doch nun schlug das Pendel in Richtung der Gastgeber aus. Udo lief die Zeit davon und mit ihr die Partie, was sich in einem finalen Läuferverlust äußerte. Dann zielte Rolf nach einem guten Vortrag in einem Gewinn versprechenden Endspiel wahrscheinlich auf die einzige Figurenaufstellung ab, die sofort durch Turmverlust verlor. Als ihm sein Gegner nach der Partie schöne Ostertage wünschte, meinte Rolf in seinem ihm eigenen Stil, dass er das Ei schon geliefert habe. Damit führte SW Harburg mit 3 ½ : 2 ½. Unruhe kam zwischenzeitlich auf, als der Gegner von Tofik in dessen Zeitnot nicht mitschrieb und Leon als Außenstehender den Gegner darauf hinwies. Dies nahm wiederum ein Mitglied von SW Harburg, ebenfalls als Außenstehender zum Anlass, Leon in einem nicht gerade als diplomatisch zu nennenden Ton darauf hinzuweisen, dass er sich nicht in die Partie einzumischen habe. Inhaltlich korrekt, formal jedoch ebenfalls eine Einmischung, weil dies in einer die Spieler beeinflussenden Lautstärke geschah. Auf die Frage von Helge, ob er der Mannschaftskapitän sei und die Frage verneint wurde, wurde Kurt als Kapitän hinzugezogen und die Diskussion aus dem Spielraum verlegt. Als Tofiks Gegner später erneut nicht mitschrieb, wies ihn der Mannschaftskapitän von SW Harburg auf seine Mitschreibpflicht hin.
Rolf zieht
Rolf zieht

Unabhängig davon überstand Tofik in gekonnter Manier seine Zeitnot. Indessen konnte Hanns seine verlustträchtige Stellung mit einer „petite combinaison“ retten und zum Remis führen. Tofik spielte weiterhin ganz „cool“ und ließ sich auch nicht von der Zuschauertraube um sein Brett irritieren. Er war drauf und dran, die Dame und König seines Gegners von der ersten Reihe über die Kante des Schachbretts zu drücken. In einer letzten Verzweiflungstat gegen eine entscheidende Springergabel „opferte“ sein Gegner einen Turm und reklamierte nach der Annahme des Opfers ein Patt. In der Tat konnte sich der König nicht bewegen, allerdings hatte der direkt neben ihm stehende Turm noch genügend Möglichkeiten. Als ihn sein Mannschaftsführer darauf hinwies, gab er sofort auf: 4:4.
Nach dem Match konstatierte Rolf, dass er mit seiner Vorstellung nun endgültig in der Bezirksliga angekommen sei und eben nach 20 schlechten Zügen ein guter Zug reicht um zu gewinnen bzw. im Umkehrschluss nach 20 guten Zügen ein schlechter Zug reicht um zu verlieren. In den kommenden Matches wird es gegen weiterhin gegen gute Gegner gehen, aber Rolf ist optimistisch: man passe sich dem Niveau der Gegner an.


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