Aktuelle Berichte

18.06.2012
Claus Langmann

Eine Saison als Gast bei HSK 11

Autor und Topscorer Claus Langmann (5½ aus 7)
Autor und Topscorer Claus Langmann (5½ aus 7)

Eine merkwürdige Überschrift für ein langjähriges HSK-Mitglied. Aber ich hoffe, dass die nächsten Absätze dem Leser ein wenig Licht in dieses Rätsel bringen.

Wegen der relativ großen Entfernung von Büstorf (liegt etwa 13 Kilometer nördlich von Eckernförde) nach Hamburg hatte ich mich vor einigen Jahren entschlossen, für den Eckernförder SC zu spielen. Vorangegangen waren Versuche, zumindest für Senioren eine Doppelspielberechtigung unterhalb der Oberliga für zwei Verbände zu erreichen. Das ist gescheitert und wundert mich noch heute, können doch Bundesligaspieler ohne Schwierigkeiten für acht (oder mehr) verschiedene Ligen spielen, ohne dass es jemanden stört.

Nach fünf Jahren war mir leid, in Schleswig-Holstein zu spielen. Die Kämpfe begannen sonntags um 10 Uhr, ich musste also bei den Auswärtskämpfen um 7 Uhr aufstehen, um rechtzeitig an der Westküste bei Heide oder an der Nordgrenze bei Leck anzutreten. Soweit ich weiß, hat auch GM Hort sich geweigert, so früh am Morgen zu spielen - ich bin also in bester Gesellschaft. Ein Umstand kam hinzu, der mich zunehmend frustriert hat: ich spielte in einer 8er-Mannschaft, in der die DWZ-Werte zwischen 1800 und etwa 900 lagen. Die schachliche Erlebnisse bei einer derartigen Zusammensetzung waren gelegentlich sehr ernüchternd.

Also entschloss ich mich, wieder für den HSK zu spielen und was lag näher, als mich wieder in meine alte Mannschaft "HSK VII", die mittlerweile von Ralf Oelert geführt wurde - einzugliedern. Gesagt - getan und ich spielte in der Saison 2011 dort auch - naja, mit 50% - einigermaßen erfolgreich.

Aber eines fehlte mir und das wurde mir im Laufe der Saison immer deutlicher: Die Mannschaft von Ralf spielte ihre Heimkämpfe dienstags, und das fast immer "in leeren Räumen". Mir fehlten die Begegnungen mit Freunden und Bekannten aus anderen Mannschaften. Daraus entstand die Idee, in der Saison 2012 in einer Freitagsmannschaft zu spielen. Die Mühe der Realisierung lag bei unserem Vorsitzenden und so wurde ich an HSK 11 vermittelt.

Als ich davon erfuhr, ging natürlich mein erster Blick auf die Mannschaftsaufstellung und siehe da, mit Oliver Leube, Udo Figger und Reiner Basteck fand ich alte Bekannte und ich erfuhr auch, dass diese Mannschaft unter ihrem lieb gewordenen Namen "HSK 11" schon eine lange erfolgreiche Tradition hat, insbesondere wohl auch im Feiern. Das belegt auch eine Fotoserie auf der eigenen Website www.hsk11.de, auf der deutlich zu erkennen ist, wie diese Mannschaft das Sommertraining 2011 angegangen ist.

Der erste Kampf dieser Mannschaft im Januar 2012 führte uns nach Lurup und dort traf ich nach Jahren die alten Bekannten und machte Bekanntschaft mit den neuen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, mir wurde alles Gute gewünscht und wir legten uns äußerst erfolgreich mit 7:1 ins Zeug. Tolle Mannschaft, dachte ich, weiter so! Leider blieb das ein unerfüllter Wunsch. In der nächsten Runde gab es gegen Union/Eimsbüttel 3 - den späteren Drittletzten der Tabelle! - eine vermeidbare Niederlage und danach gegen Fischbek ein knappes Unentschieden. Die wohl auch unrealistischen Träume von einem Aufstieg in die Stadtliga waren damit schon ausgeträumt. Manches Mal wurden von den Spielern halbe oder ganze Brettpunkte zu leichtfertig hergegeben, wobei ich mich selbst nicht ausnehmen kann: ich ärgere mich noch heute darüber, dass ich im Kampf gegen Pinneberg wegen mangelnder Sorgfalt nicht den ganzen Punkt realisiert habe, sondern mich mit Remis begnügen musste.

Die Mannschaft gab während der ganzen neun Runden keinen einzigen Punkt kampflos ab, auch dank des dreimaligen Einsatzes von Johannes Petersen, ihres ehemaligen Spitzenbretts. Allerdings ist das keine Besonderheit dieser Mannschaft, sondern - das muss ich als "Gast" erwähnen - es zeichnet den HSK und seine Mannschaftsführer und Spieler aus: von 1.488 Partieansetzungen in der Saison hat der HSK mit seinen 24 Mannschaften nur 6 Partien kampflos verloren! Als ich dieses Ergebnis hier in Eckernförde erzählte, haben die hiesigen Spieler nur ungläubig gestaunt.

Es wird so ungefähr im April gewesen sein, als mich der Wissensdurst packte und ich wissen wollte, welchen Stand die Mannschaft aktuell in der Bezirksliga einnimmt. Die Website des Verbands gab darüber präzise Auskunft. Ich ahnte aber nicht, welche geradezu wissenschaftlich statistischen Erkenntnisse dort verborgen liegen. Ich glaubte meinen Augen kaum, als ich dort erfuhr, dass mein HSK 11 ein Durchschnittsalter von 57 Jahren hat. Gut, ich selbst trieb den Altersdurchschnitt sicher ein wenig nach oben und wohl auch Leon T., aber die anderen? Was war passiert? Ich recherchierte und musste die banale Feststellung treffen, dass wir alle älter geworden sind. Die eingangs erwähnten Oliver, Udo und Reiner kenne ich seit vielen Jahren, aber sie sind auch um genau diese vielen Jahre gereift und gehen inzwischen auf die Fünfzig zu oder haben diese gar überschritten. Aber - und das war meine Selbsttäuschung - sie sind in meinen Augen die Jungspunde von einst geblieben.

An einem späten Abend und nach ein/zwei Gläsern Rotwein kam mir eine blendende und in meinen Augen absolut folgerichtige Idee: wenn ich wie gehabt weiterhin für den HSK spielen möchte und wenn ich weiterhin alte Bekannte wiedersehen und neue kennen lernen möchte, dann darf ich nicht weiterhin für HSK 11 spielen, sondern muss jedes Jahr in einer anderen, freitags spielenden Mannschaft antreten. Und zum Trost für das alljährliche Verlassen der Mannschaft würde ich deren Spieler zu einem Abschiedsfest in meine Exklave an der Schlei einladen. Die Idee reifte eine Nacht und ich trug sie dann unserem Vorsitzenden vor, weil er ja dadurch eine gewisse Mehrarbeit hat. "Na ja" - sagte er - "wie lange willst Du das denn noch machen?" und ich antwortete mit "so lange es geht".

Und nun können die Mannschaftsführer bei Christian anfragen, ob sie mich kriegen können. Dem Vernehmen nach bin ich aber für die kommende Saison schon ausgebucht. Last not least auch noch das Endergebnis von HSK 11: nach neun Runden landete die Mannschaft mit 12 Mannschafts- und 41 ½ Brettpunkten gemeinsam mit SW Harburg auf Platz 3 der Tabelle. In die Stadtliga aufgestiegen sind St. Pauli 4 und Wedel mit je 15 Mannschaftspunkten.

Anmerkung von Helge Hedden:

Gemäß den Äußerungen aus der Elften gibt sie nur ungern ihren Altersvorsitzenden und Top-Scorer ab. Sie hätte Claus gerne als Stammspieler behalten. Der neuen Mannschaft kann man nur gratulieren. Der Elften bleibt als Trost das bereits anberaumte Abschiedsfest in herrlicher Umgebung direkt an der Schlei - da werden dann die Puppen tanzen!


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