Aktuelle Berichte
11.06.2011
Dr. Helge Hedden
Autor: Dr.Helge Hedden
Erwartungsgemäß hat HSK 9 (Die Elfte) in der ersten Stadtligasaison das Klassenziel Klassenerhalt verpasst und wird wieder in die Bezirksliga versetzt – zur Freude der Mannschaft.
Nachdem wir in der ersten Runde HSK 8 ein Unentschieden abknöpfen konnten, lieferten wir in der Folgezeit den gegnerischen Mannschaften ordentliche, wenn auch erfolglose Duelle. Gleich in den nächsten beiden Runden kam es für einen möglichen Klassenerhalt zu wegweisenden Matches mit unmittelbaren Konkurrenten. Gegen Concordia verloren wir 2 ½ : 5 ½ und Farmsen gewann denkbar knapp mit 4 ½ : 3 ½. In beiden Duellen war mehr möglich, jedoch wurden die Chancen nicht genutzt.
Dieses Schema sollte sich bis auf den Kampf gegen Königsspringer und das Duell in der letzten Runde gegen die Schachelschweine wiederholen – Stadtliga ist eben nicht Bezirksliga. Somit war für uns der weitere Weg vorgezeichnet und ein Spaßvogel meinte, da wir in der letzten Saison mit 17:1 Punkten aufgestiegen waren, würden wir nun mit 1:17 Punkten absteigen. So oder so ähnlich sollte es dann auch kommen.
In der vierten Runde waren wir ersatzgeschwächt beim Aufstiegsaspiranten Bille SC zu Gast und nach bestätigten Augenzeugenberichten lag bis kurz vor Matchende eine Sensation in der Luft, allerdings erwies sich selbige nur als laues Lüftchen. Die letzten beiden, für uns gut aussehenden Partien gingen dann doch an den späteren Aufsteiger zu einem vermeintlich klaren 5 ½ : 2 ½ - Sieg. In der fünften Runde waren wir das einzige Mal in der Saison chancenlos. Königsspringer gewann verdient mit 6:2. Nach diesem Bergfest standen wir mit einem Punkt aus fünf Runden und vielen neuen Erfahrungen da. Die Stimmung war trotzdem wie immer: gut. Warum? Eben die Elfte.
Um auch 2012 weiterhin in der Stadtliga spielen zu können, hätten wir nicht nur respektabel kämpfen, sondern auch Punkte aus den verbleibenden Spielen holen müssen. Den Kampf setzten wir fort, das Punktsammeln setzten wir nur bedingt um.
Auch Barmbek versetzten wir einen Schreck, doch auch hier wurden aussichtreiche Stellungen ungenutzt zum 3:5 vergeben. Die Barmbeker erwiesen sich dadurch als Totengräber von HSK 9, denn nach dieser Nullnummer waren die Chance auf den Klassenerhalt eher theoretischer Natur – obwohl mal ehrlich: Rückblickend war die Chance von Anfang an theoretischer Natur.
In Runde 7 war Diogenes bei uns zu Gast und das bekannte Schema setzte sich fort. Mit 3:5 verloren wir und bescherten unserem gegnerischen Mannschaftskapitän die Erkenntnis, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der nächsten Saison mit seiner Truppe in der Stadtliga antreten darf. Bis zu dieser Runde spielten neun Mannschaften gegen den Abstieg, während die Aufstiegsfrage inzwischen akademischer Natur war. Ach ja und ein Absteiger stand nun auch praktisch fest – HSK 9. Allgemeine Erleichterung war in der Elften zu vernehmen.
In der vorletzten Runde brachten wir die Schachfreunde arg in die Bredouille. In diesem Kampf mit einer unserer besten Leistungen hätten wir weit mehr als ein schnödes 3 ½ : 4 ½ verdient gehabt. In der letzten Runde durften wir dann endlich auch einmal einen Erfolg feiern. Mit einem 6:2-Erfolg verabschiedeten wir uns gegen die Schachelschweine aus der Stadtliga. Okay, wir traten das erste Mal in der Saison in vollem Ornat an, während unsere Gastgeber ohne sechs Stammspieler antraten. Die Punkte nahmen wir dennoch dankbar mit.
Betrachtet man rückblickend die Saison und davon die erste und letzte Runde, so haben wir mit drei Punkten aus zwei Matches eine klar aufstiegswürdige Vorstellung abgeliefert. Die Ursachen für die sieben Niederlagen zwischendurch lassen sich klar benennen: die Spieler, der fremde Name und die Aussicht in die Bezirksliga zurückzukehren.
Schachlich war in dieser Saison für jeden etwas dabei, nur haben wir die Punkte unglücklich verteilt. Mit 30 Brettpunkten haben wir nur 3,5 Brettpunkte weniger als Diogenes und die haben zehn Mannschaftspunkte ergattert.
Die beiden oberen Bretter Helge Hedden und André Hold waren leider erst in der zweiten Saisonhälfte so richtig zur Stelle und stellten die Gegner vor ernstzunehmende Probleme. Im Mittelfeld gab es mehr Licht als Schatten. Leon Tscherepanov erfüllte die insgeheim in ihn gesteckten Erwartungen und machte mit 4/9 gegen nominell deutlich stärkere Gegner einen starken Eindruck. Die Belohnung ist ein DWZ-Zuwachs von fast 50 Punkten. Die folgende Partie aus der letzten Runde von Leon ist ein Spiegelbild der Saison: gut angefangen, dann leider der Patzer. Allerdings lachte uns in dieser Partie das Glück:

HMM 2011. Stadtliga B Hamburg (9), 10.06.2011
A35: Englische Eröffnung (Symmetrische Variante) 1.c4 c5 2.Sc3 Sc6 3.Sf3 g6 4.e3 Lg7 5.d4 e6 [5...f5 6.h4 Sf6 7.d5 Se5 8.e4 Seg4 9.exf5 1/2–1/2 (9) Pajkovic,V (2432)-Kontic,D (2339)/Herceg Novi 2008/CBM 126 Extra] 6.d5N Auch bei uns kann man erfolgreiche Neuerungen beobachten! [6.Le2 d5 7.cxd5 exd5 8.dxc5 Lxc3+ 9.bxc3 Da5 10.Lb2 Dxc5 11.c4 Db4+ 12.Dd2 f6 13.Lc3 Dd6 14.cxd5 Se5 15.Sxe5 fxe5 16.f4 Sf6 17.fxe5 Dxd5 18.exf6 Dxg2 19.Lb5+ 1–0 (19) Pietrzak,T (2016)-Sochacki,Z (1956)/Rewal 2008/ CBM 126 Extra] 6...exd5 7.cxd5 [7.Dxd5?! Lxc3+ 8.bxc3 De7=] 7...Se5 8.d6 Sxf3+ 9.Dxf3 Df6 10.Sb5 Dxf3 11.Sc7+ Kd8 12.gxf3 Tb8 13.e4 Le5 14.Sb5 a6 15.f4 Lg7 16.Sc7 b5 17.e5 f6 18.Ld2 b4 [18...fxe5 19.La5 Lb7 20.Sxa6+ Kc8 21.Sxb8 Lxh1 22.Lc7+-] 19.0–0–0 fxe5 20.Te1?? Da ist er, der Patzer! Aber er bleibt ungesühnt. [20.fxe5 Lxe5 21.Lg5+ (21.Sxa6?! Lxa6 22.Lxa6 Lxd6) 21...Lf6 22.h4+-] 20...Sf6?? Diagramm [20...e4 21.Txe4 Sf6] 21.fxe5+- Sg4 1–0

Rolf Puster punktete kontinuierlich
Rolf Puster punktete kontinuierlich und ließ immer wieder seine Klasse aufblitzen. Die Augenblicke zwischen dem Aufblitzen hinderten ihn allerdings daran, auch mal den einen oder anderen halben Punkt zusätzlich mitzunehmen. Aber auch dafür hatte er die passende Erwiderung aus seinem schier endlosen Reservoir an Weisheiten: „20 gute Züge und ein schlechter Zug können zum gleichen Ergebnis führen wie 20 schlechte Züge und ein guter Zug“.

Oliver Leube hatte sich persönlich mehr von der Spielzeit erhofft
Oliver Leube hatte sich persönlich mehr von der Spielzeit erhofft. Besonders bitter waren für ihn die beiden Niederlagen in der zweiten und vierten Runde, die auch mit zwei Siegen hätten enden können. Christoph Bohn vereinte Licht und Schatten, aber seine teilweise spekulative Spielanlage, abgeschmeckt mit einer Prise origineller Ideen, gibt berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass von ihm noch die eine oder andere Glanzpartie zu sehen sein wird. Tofik Badalov kam selten zum Einsatz, was sich hoffentlich in der kommenden Spielzeit wieder ändert.
An den hinteren Brettern ist die Freude besonders groß, dass es zurück in angestammte Gefilde geht, denn nur Hanns Schulz-Mirbach konnte dort über 50% klettern. Auf die nächste Saison angesprochen meinte er im trockensten Schulz-Mirbach-Stil (SMS), dass es ihm reiche das achte Brett „zu verwalten“. Nun, da muss er zumindest mit Udo Figger und Kurt Kahrsch verhandeln. Zum angedeuteten Rücktritt von Reiner Basteck in Richtung Reservebank war vom SMS zu erfahren, dass Hanns eine regelmäßige Teilnahme von Reiner „erwarte“ – noch Fragen?

Hanns Schulz-Mirbach konnte über 50% klettern
Der Hauptgrund für den Abstieg ist aber sicherlich der Auftritt als HSK 9 unter fremden Namen. Wer kann schon unter einer falschen Identität vernünftig Schach spielen? Jedenfalls nicht die ELFTE. Aus diesem Grund werden wir ab der kommenden Spielzeit wieder ordnungsgemäß als HSK 11 auftreten.
Aber ist so ein Abstieg schlimm? Bricht deswegen gleich die Götterdämmung an? Fällt einem der Himmel auf den Kopf? Mannschaftsinterne Kommentare wie „Endlich wieder Bezirksliga!“ oder „Endlich wieder HSK 11!“ lassen das Gegenteil vermuten. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man erste Gespräche über eine Abstiegsfeier führte, zumal wir im letzten Jahr keine Aufstiegsfeier hatten.
Der Kommentar von Hanns lautete, als er auf die Feier angesprochen wurde: „Abstiegsfeier?!?! Das hat doch ’was!“ Neben Udos Schnellturnier wird es die Gelegenheit sein, an der neuen Aufstellung zu feilen. Die Zielsetzung ist für unseren Kapitän Kurt ohnehin klar: Klassenerhalt.
Und somit verabschiedet sich die Elfte bis zur nächsten Saison, wenn es wieder heißt: HSK 11 startet durch – wohin auch immer!
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