Aktuelle Berichte

11.02.2012
Dr. Helge Hedden

Von der Schippe gesprungen

Autor:Dr. Helge Hedden am Spielort
Autor:Dr. Helge Hedden am Spielort

Hallo und herzlich willkommen zum Bericht des Mannschaftskampfes Fischbek 1 gegen HSK 11. Angesichts des nominellen Kräfteverhältnisses sollten zwei Mannschaftspunkte möglich sein. Allerdings gab es Probleme. Kurt Kahrsch fiel kurzfristig aus, verlieh die Kapitänswürde an Oliver Leube und holte als Ersatz Johannes Petersen ans achte Brett.
Claus Langmann stärkte sich vor dem Match bei Heddens und erwiderte somit deren Besuch bei ihm an der Schlei. Das Abendbrot nach der langen Anfahrt und durch den Hamburger Feierabendverkehr kam genau richtig. Gemeinsam mit Helge Hedden als Schlachtenbummler (ganz selten – ganz edel) kamen sie danach kurz vor Anpfiff am Spielort an und trafen die übrigen HSKler.
An den Brettern von Hanns Schulz-Mirbach und Johannes Petersen ging es vom Start weg zur Sache. Während Hanns seine Bauern vor dem eigenen König zum Sturm auf die gegnerische Stellung in Marsch setzte, erarbeitete sich Johannes mit guten Entwicklungszügen eine aussichtsreiche Stellung gegen Jürgen Kohlstädt. Nachdem der Gegner von Hanns die Zentrumsöffnung ausließ und auch noch einen Turm mit Tempo auf die inzwischen geöffnete h-Linie einlud, ließ sich Hanns nicht lange bitten und fuhr mithilfe eines unwiderstehlichen Springer-Turm-Tandems den ersten Punkt ein.
Johannes Petersen
Johannes Petersen

Zeitgleich entfleuchte Johannes seine gute Stellung und bevor er „das Ding“ wegen mangelnder Konzentration vor die Wand fuhr, bog er ins Remis ab. Den Spielablauf bestätigte Jürgen („Die ersten 18 Züge habe ich unter Schmerzen gespielt.“). Zwar mag dieses Ergebnis auf den ersten Blick überraschen, jedoch war es unter den gegebenen Umständen die richtige Entscheidung von Johannes. Kurze Zeit später betrat Christoph Bohn den Analyseraum. Seltsamerweise blieb er, wie den Anwesenden irgendwann auffiel. Er hatte doch tatsächlich seine gut spielbare Stellung am dritten Brett dazu genutzt, um eine Figur zu gewinnen! Der Figurengewinn wurde aber mit einer unparierbaren Mattdrohung bezahlt – allgemeines Kopfschütteln und Ausgleich.
Oliver Leube am vierten Brett
Oliver Leube am vierten Brett

Oliver Leube am vierten Brett erwischte gegen Viktor Lochmann ebenfalls einen schwarzen Tag, stellte aber „nur“ eine Figur ein, allerdings ohne ein Matt wie am Nachbarbrett folgen zu lassen. Er spielte weiter und konnte durch einen Freibauern auf Schummelchancen hoffen. Reiner Basteck hingegen spielte gegen einen rückständigen Bauern auf c6, allerdings verflachte die Stellung, ohne dass Reiner etwas Zählbares herausholen konnte. Der Gegner spielte die Standardverteidigungsmanöver – Remis. Zwischendurch fragte Rolf Puster an, ob er ein Remis annehmen solle, was ihm abschlägig beschieden wurde. Die ausstehenden Partien waren im Siegessinne nicht sonderlich vielversprechend. Aber was waren die ausstehenden Partien? Oliver mit seiner Minusfigur, Rolf mit seiner optisch angenehmeren Stellung, sowie die Partien von Leon Tscherepanov und Claus. Letzterer hatte es mit Benoni zu tun und es entwickelte sich die übliche Dynamik. Schwarz kam zu f5, das Zentrum flog auf und es stellte sich die Frage, ob die schwarzfeldrige Dominanz des Nachziehenden zu einem nachhaltigen Angriff führen würde oder ob die weißen Springer im Zentrum mit nervtötenden Doppeldrohungen dieses Vorhaben sabotieren und selber gefährlich werden könnten. In dieser pikanten Situation bot Claus mit einer halben Stunde weniger Remis an, was von seinem Gegner akzeptiert wurde. Beide waren über das Remis nicht sonderlich unglücklich. Leon vergnügte sich derweil bei einem Mehrbauern, aber sehr passiven Figuren. Sein Gegner tat sich aber schwer, aktives Figurenspiel mit gefährlichen Drohungen zu entfalten.
Rolf am ersten Brett
Rolf am ersten Brett

In dieser Lage verrechnete sich Rolf am ersten Brett und stand auf einmal mitten auf dem Acker. Die Zuschauer und Rolf sahen die Felle davonschwimmen. Allerdings „glaubte“ Rolfs Gegner der vermeintlichen Turmaktivität auf der siebten Reihe und ließ sich auf ein Remis ein – Aufatmen bei Rolf und seinen Anhängern. Vorher gab sich Oliver geschlagen, so dass beim Stand von 3:4 alles an Leons Partie hing. Ab hier wurde man jedoch für die bisher urselige Vorstellung der Elften entschädigt. Der Mehrbauer war bei Leon noch da, doch lief die Zeit allmählich davon. Für neun Züge hatte Leon 18 Minuten, sein Gegner 20. Aber Leon zog einfach nicht! Erst bei etwas mehr als vier Minuten „wachte er auf“ und machte einen von zwei Kandidatenzügen. Kurios: Auch sein Gegner „schlief ein“. Eigentlich wurde die Antwort postwendend erwartet. Dass es dann ein ganz anderer Zug wurde, veranlasst Rolf seine Augenbraue anzulupfen. Es folgte ein Drama (Titel: Hauen und Stechen), in dem Caissa beiden Spielern in quasi jedem Zug zulächelte. Hier formte sich beim Autor die Artikelüberschrift. Mit dem letzten Zug vor der Zeitkontrolle hielt Leon endlich den Gewinn fest, nachdem Caissa schon anfing mit einer ganzen Zaunlatte zu winken. Es folgte ein kollektives Aufatmen der anwesenden HSKler, inklusive Leon: 4:4.
Als alternative Überschrift war übrigens „Von der Schippe gestürzt“ vorgesehen.
Fazit: Die Elfte ist mit dem Unentschieden nach der gezeigten Leistung gut bedient. Es hätte auch schlimmer kommen können. Bei Normalform wäre allerdings ein Sieg Pflicht gewesen. Und hier findet sich das Positive aus dem Mannschaftskampf: Die Normalform wird zurückkommen.


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