Aktuelle Berichte

18.06.2007
Helge Hedden

Kurtsschluss: "Das ist noch nicht gewonnen."

Mit dieser tiefen Weisheit fasste unser spielfreier MF Kurt Kahrsch alias Kurti die Situation im letzten Saisonwettkampf gegen Diagonale nach gerade mal 5 Minuten Spielzeit zusammen.
Da die Schachfreunde 3 durch ihren Sieg am Vorabend den Aufstieg perfekt gemacht hatten, ging es zwischen HSK 11 und Diagonale nur noch um die Frage, wer am Ende auf Platz 2 stehen würde. Entsprechend locker war auch die Atmosphäre zwischen den beiden Mannschaften. Kurz vor Matchbeginn hatte allerdings Christoph Bohn durch seine Absage die Farbverteilung ab Brett 3 durcheinandergewirbelt, was zumindest die Vorbereitung von Oliver Leube weitgehend pulverisierte.
Rolf und Helge.
Rolf und Helge.
An Brett 1 wollte Rolf Puster die beiden vergangenen Niederlagen vergessen machen. Sein Gegner kam im Trompowski-Angriff schnell mit h4 zur Sache, was aber Rolf nicht davon abhielt seinerseits auf dem Damenflügel eine Aktion zu starten.
An Brett 2 war Helge Hedden in einen positionellen Manöverkampf verwickelt, der sich etwas günstiger für ihn gestaltete. Brett 3 war längere Zeit verwaist, da Udo Figger später von der Arbeit kam. Doch als Udo da war, legte er auch gleich los und brach ein zwielichtiges Spiel vom Zaun.
Der aus seiner Vorbereitung gerissene Oliver gelangte mit Weiß über Nimzowitsch-Indisch in eine sizilianische Igelstruktur, wo er nach relativ kurzer Zeit eine Figur gewann, der Gegner aber noch Chancen hatte.
Tofik Badalov kam mit seinem Gegner offenbar zurecht und konnte sich eine schöne Stellung erspielen. Aber wie man es auch drehen und wenden mag; die Zeit von Tofiks Gegnern läuft grundsätzlich weniger schnell ab. Es deutete sich wieder ein Zeitnotdrama an.
An Brett 6 gab es ein etwas ungewohntes Bild zu bestaunen: Reiner Basteck spielte mit Weiß in einer spannungsreichen Königsindischstruktur - Ausgang unklar.
Dagegen war Hanns Schulz-Mirbach in einer für ihn typischen Stellung unterwegs: Solide, aber mit Perspektiven.
Ein wahrhaft klassisches Finale wurde aber am achten Brett hervorgezaubert. Leon Tscherepanov und sein Gegner spielten die wohl spektakulärste und schönste Partie des Wettkampfes.
Diagramm

Tscherepanov,Leon (1722) - Jonasson,Rainer (1649) [A22] HMM 2007 Bezirksliga B Hamburg (9), 15.06.2007

1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.e3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.Lc4 Le6 6.Db3 Sxc3 7.Lxe6 fxe6 8.Dxe6+ De7 9.Dc8+ Dd8 letzter Buchzug 10.Dxb7?!N Dd5 11.Dc8+ Ke7 12.bxc3?-+ [12.Sf3 Sb5 13.Df5 Sc6 14.d4 g6 15.Dg4 Kf7 16.0-0 exd4 17.a4 Sd6 18.exd4] 12...Dxg2?= [12...Sd7 13.La3+ c5 14.Lxc5+ Sxc5 15.Dg4 e4 16.Sh3 Dc4 17.Sf4 Kf7 18.Dh5+ g6 19.De5 Le7-+] 13.La3+ Kf6?+- [13...Kf7 14.Df5+ Ke8 15.Dc8+ Kf7=] 14.Lxf8 Dxh1?+- [14...Sd7 15.Dxd7 Taxf8 16.0-0-0 Dxh1 17.Sh3 Db7 18.f4+-] 15.Dd8+ Kg6? [15...Kf5 16.0-0-0 Dc6 17.e4+ Dxe4 18.Sh3 h6 19.Dc8+ Kf6+-] 16.De8+ Kf5 17.Df7+ Ke4 18.Ke2 Diagramm 1-0

Leon hatte aber auch allen Grund sich kurz zu fassen. Einer der vielen Regenschauer an diesem Tag hatte ihn voll erwischt und ließ ihn nach seinem Sieg mit dem Ziel trockener Klamotten schnell nach Hause entschwinden. Doch vor der Aufgabe kam es zu einer kuriosen Szene. Leon war kurz verschwunden, sein Gegner saß am Brett, eine Menschentraube war wegen der Stellung um das Brett versammelt. Da kommt der MF von Diagonale, Martin Becker, und macht von der Diagrammstellung und seinem entspannt in die Kamera grinsenden Mannschaftskameraden ein Foto.
Etwas später erreichten Reiner und Hanns durch gegnerische Remisangebote den Remishafen.
Trotz möglicher Komplikationen schafft es Reiner, wie auch in dieser Partie, meistens mit dem Gegner friedlich auseinander zu gehen. Mangelnder Kampfgeist ist Reiner aber nicht vorzuwerfen, da oft die Gegner das Remisangebot unterbreiten. Auch dem Autor dieser Zeilen erging es vor einigen Jahren so. Nichts ahnend spielt man gegen Reiner und plötzlich ist sie da, die verflachte Stellung - Ursache unbekannt.
Udo und Oliver.
Udo und Oliver.

Leider konnte sich Udo in dem von Taktik geprägten Spiel nicht durchsetzen, ging aber in einem schönen Finale mit fliegenden Fahnen unter. Der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen bekam auch hier Martin Becker einen Tipp und fing ebenso den Auftakt einer zweizügigen Mattkombination, als auch das erwartungsfrohe Lächeln seines Teamkameraden mit dem Fotoapparat ein. Zwischenstand 2:2.
Nun bekam auch Rolf ein Remisangebot und nach reiflichem Überlegen nahm er es an. Beide Seiten hatten sich trotz der Flügelaktionen gegenseitig blockiert und ein Spiel auf Sieg wäre nur unter Inkaufnahme von Nachteilen verbunden gewesen.
Tofik schaffte die Zeitkontrolle und konnte seinen Materialvorteil in den ganzen Punkt ummünzen.
Helge erarbeitete sich in einem Damenendspiel zusehends Vorteile, gewann 2 Bauern und konnte in ein gewonnenes Bauernendspiel überleiten. Kurz vor der Aufgabe fragte Helges Gegner (Martin Becker) seinen letzten spielenden Teamkameraden: "Andreas, schaffst Du zwei Punkte zu holen?" Antwort: "Ich werde sehen, was sich machen lässt."
Und tatsächlich hatte Oliver durch ungenaues Spiel seinem Gegner die Rückeroberung der Figur ermöglicht, wobei Oliver neben anderem Material mit einem Springer gegen drei verbundene Freibauern spielte. Letztendlich trennten sich beide Kontrahenten in einem Turmendspiel Remis.
Damit endete der Wettkampf mit 5:3 und war der vorläufige Abschluss einer erfolgreichen Saison. Der eigentliche Abschluss fand im Woodpecker statt, wo auch Christoph zur (feuchten) Analyse stieß.
Dabei wurden auch die nächsten "Großereignisse" klargemacht: Udo's Schnellturnier und die Sommerfeier von "Der Elften".


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